Spinalkanalstenose: Schwere, müde Beine beim Gehen
Shownotes
Schwere und müde Beine beim Gehen, die euch immer wieder zur Pause zwingen? Schuld sind meist nicht die Beine selbst, sondern der Rücken. Aber wie kann eine Engstelle in der Wirbelsäule Beinschmerzen, Schwere und Müdigkeit in den Beinen hervorrufen – und was kann man dagegen tun? In dieser Folge gehen wir der Spinalkanalstenose auf die Spur, einem Krankheitsbild, das rund 20% der Menschen über 60 Jahre betrifft. Wie wird der Wirbelkanal mit zunehmendem Alter überhaupt zu eng? Warum gehen Betroffene gerne nach vorne geneigt? Und ab wann hilft nur noch eine OP? Wir klären, wie sich die Spinalkanalstenose von der sogenannten „Schaufensterkrankheit" unterscheidet, und informieren euch zu Diagnose und Behandlung. Zum Schluss gibt es wie immer eine einfache Übung für einen starken Rücken.
Über den Podcast
Mit medizinischer Expertise, journalistischer Neugier und einer guten Portion Humor nehmen Dr. Timmo Koy und Christoph Flach Themen rund um die Wirbelsäule unter die Lupe, die viele Menschen betreffen: Von Bandscheibenvorfall und Ischialgie über Nackenschmerzen und Spinalkanalstenose bis hin zu Prävention, Bewegung und neuen Therapieansätzen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer ganz konkrete Lösungen.Jede Folge liefert verständliche Antworten und praktische Tipps um die eigene Rückengesundheit aktiv zu fördern. Zum Abschluss jeder Folge gibt es außerdem eine einfache Übung für einen starken Rücken.
Dr. Timmo Koy ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in der KLINIK am RING - Köln und leitet dort seit vielen Jahren das Wirbelsäulenzentrum, wo er sich ausschließlich mit der Wirbelsäule beschäftigt.
Christoph Flach ist Journalist und begleitet die Gespräche mit kritischen Fragen, verständlichen Erklärungen und dem klaren Blick auf die Themen, die Patientinnen und Patienten wirklich beschäftigen.
Egal, ob Sie selbst unter Rückenschmerzen leiden oder einfach mehr über die Gesundheit Ihrer Wirbelsäule erfahren möchten: Dieser Podcast bietet fundiertes Wissen, praktische Hilfestellungen und spannende Gespräche – für mehr Lebensqualität und einen gesunden Rücken.
Hinweis: Dieser Podcast dient der Information und Unterhaltung. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung sowie keinen Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt.
Transkript anzeigen
Christoph Flach: Heute bei Tatort Wirbelsäule die Spinalkanalstenose. Das ist ein Wort, das man erstmal üben muss. Wir besprechen in dieser Folge alles, was ihr wissen müsst über dieses gar nicht so seltene Krankheitsbild. Vor allem schauen wir uns genau an, was hilft, die Beschwerden zu lindern und vielleicht sogar loszuwerden. Und wie immer gibt es am Ende eine Übung zur Vorbeugung von Rückenleiden. Bei den Symptomen denkt ihr vielleicht erstmal gar nicht an den Rücken. Eure Beine tun weh, sie fühlen sich schwer an. So schwer, dass ihr beim Gehen immer mal wieder Pausen machen müsst. Die Ursache liegt im Rücken, sonst würden wir hier im Podcast ja auch nicht drüber sprechen. Hinter der Wirbelsäule liegt der Wirbelkanal oder auch Spinalkanal. Er besteht aus den Wirbelbögen der einzelnen Wirbel unserer Wirbelsäule. 24 Wirbel haben wir. Der Spinalkanal reicht von der Schädelbasis oben am Kopf bis zum Steißbein, also bis zum Popo, um das mal gepflegt auszudrücken. Im Spinalkanal verläuft euer Rückenmark und viele, viele Nervenfasern. Im Spinalkanal steckt also quasi die Informations- und Steuerungsautobahn eures Körpers. Das Gemeine an der Spinalkanalstenose ist, dass sie sich langsam entwickelt. Durch Verschleiß verändern sich Teile der Wirbelsäule und der Spinalkanal wird enger. Dadurch ist weniger Platz und es kann sein, dass Druck auf die Nervenfasern entsteht. Das ist dann die Spinalkanalstenose und unser Übeltäter in dieser Folge. Da sind wir wieder. Hallo Timmo! Hallo Christoph. Hallo ihr, schön, dass ihr da seid. Unser Thema Spinalkanalstenose. Ich habe es wirklich geübt. Dir geht das ja seit Jahren locker von den Lippen. Ein Thema, das so viele Menschen plagt. Lass uns mit was Positivem beginnen. Kann man das wieder loswerden?
Dr. Timmo Koy: Ja, das kann man wieder loswerden. Mit fremder Hilfe.
Christoph Flach: Ist also ein Thema, wo es nicht wahrscheinlich ist, dass der Körper das von selber regelt?
Dr. Timmo Koy: Nee, das klappt in der Form nicht. Das bedeutet nicht, dass man, dass es notwendigerweise immer auf fremde Hilfe hinausläuft. Man kann auch so eine Art Steady State vielleicht bekommen, mit dem sich ganz gut leben lässt.
Christoph Flach: Steady State heißt es, eingefrorener Zustand, es bleibt wie es ist. Keine weitere Verschlimmerung.
Dr. Timmo Koy: Aber die gute Nachricht ist, dass es hier etwas gibt, was man tun kann, wenn es aus diesem Steady State herausgeht und wirklich Lebensqualität kostet.
Christoph Flach: Auch darüber sprechen wir gleich. Aber erstmal würde ich gerne besser verstehen, was genau da verengt. Also klar, dieser Kanal. Aber ich habe so verstanden, dass das ja eigentlich was Gutes ist, was der Körper will. Es ist ja ein Ablauf, den der Körper betreibt, um etwas auszugleichen, was eigentlich nicht so gut ist. Habe ich es richtig verstanden?
Dr. Timmo Koy: Ja, da hast du schon ein bisschen recht. Also die Spinalkanalstenose, das ist ja der zu enge Wirbelkanal, der entsteht als Folge von Maßnahmen, die der Körper ergreift, um eine verlorengegangene Stabilität wiederherzustellen. Also eigentlich will er sich helfen. Er will sich helfen. Und in der Regel, nicht immer, aber in der Regel erreicht er ja auch sein Ziel, aber das auf Kosten von Platz, den die Nerven gerne hätten.
Christoph Flach: Gucken wir da nochmal genauer hin. Was genau gleicht der Körper aus, wodurch dann dieser Kanal eng wird.
Dr. Timmo Koy: Also, da muss man vielleicht einen kleinen Schritt zurückgehen zur Anatomie, also die Wirbelsäule besteht aus mehreren Wirbeln. 24. 24, ist genau richtig. Und dazwischen sind kleine Puffer eingebracht. Die Stoßdämpfer der Wirbelsäule, die Bandscheiben. Und ähm im Laufe des Lebens verändert sich der Eiweiß, die Eiweißzusammensetzung dieser Bandscheibe. Und der Gallertkern, der ja für die Speicherung von Flüssigkeit zuständig ist, der kann diese Aufgabe nicht mehr so richtig erfüllen. Also es wird weniger Flüssigkeit in der Bandscheibe gespeichert, dadurch geht diese Pufferfunktion verloren und dadurch verliert sie an Höhe.
Christoph Flach: Dürr wird, ne? Und nicht mehr weich ist, sondern fest wird.
Dr. Timmo Koy: So ist es, genau, ja, und es und es aber vor allem ist man nicht so schön flauschig und aufgepolstert, sondern es ist schmal geworden. Und die Bandscheibe, der Faserring der Bandscheibe besteht aus Kollagenfasern, also aus Bindegewebsfasern, die wie so ein Maschendraht angeordnet sind und wenn das an Höhe verliert, dann flacht sich dieser Faserverlauf ab und dann wird sowas, ist das weniger straff und gewinnt eine pathologische, also eine nicht normale Beweglichkeit. Und dann kann es zu einer Instabilität kommen, also zwei Wirbel, die durch die Bandscheibe miteinander verbunden sind, die können sich plötzlich gegeneinander verschieben, mehr als es ursprünglich mal vorgesehen war.
Christoph Flach: Das soll nicht sein. Körper merkt das, will das nicht und hilft sich selbst, indem er was macht.
Dr. Timmo Koy: Indem er Bänder, die diesem, die dieser Instabilität sozusagen entgegenwirken, indem er die verstärkt, verdickt. Die Bänder sind schon da. Die Bänder sind da, die sind hinten an der Wirbelsäule angebracht, verspannen die Wirbelbögen miteinander und er verdickt diese Bänder und verstärkt sie. Weil die diesem, dieser Instabilität, diesem, diesem, diesem krankhaften Verschieben der Wirbel sozusagen etwas entgegensetzen. Eigentlich toll, dass er das merkt und kann und macht. Mein Körper ist was Faszinierendes. Es gibt nichts, was so faszinierend ist wie der menschliche Körper. Also ein perfekt ausgeklügelter Organismus. Außer manchmal am Rücken. Eigentlich ist da auch alles richtig, und wir müssen teilweise als Menschen oder als Ärzte, wenn wir von außen da eingreifen, müssen wir immer Sorge dafür tragen, dass wir das, was sich der Körper sinnvollerweise getan hat, dass wir das nicht zunichte machen. Also er verstärkt Bänder und er baut Knochen an, auch um diese Instabilität zu antagonisieren, also um da was, dem was entgegenzusetzen. Und beides, die verdickten Bänder und auch der Knochen, benötigen aber Platz.
Christoph Flach: Und dann wird der Tunnel enger und es gibt möglicherweise Druck auf Nerven. Ganz genau so ist es. Und jetzt gibt es ja dieses Symptom mit den schweren Beinen. Schmerzen in den Beinen, schwere Beine, das Gehen wird schwer, man braucht Pausen. Warum die Beine? Hat das was mit der Höhe zu tun, in der sowas üblicherweise passiert?
Dr. Timmo Koy: Ja, also es gibt der Wirbelkanal, hast du ja gerade eben schon in einleitenden Worten richtig gesagt, der reicht ja vom Kopf bis zum Steißbein.
Christoph Flach: Ich sagte ein anderes Wort, aber nehmen wir mal ruhig das Steißbein.
Dr. Timmo Koy: Das möchte ich leider nicht in den Mund nehmen. Aber je nachdem, wo es zu eng ist, können unterschiedliche Beschwerden entstehen. Diese schweren Beine sind meistens Ausdruck eines zu engen Wirbelkanals an der Lendenwirbelsäule. Weil da die Nervenwurzeln oder Nerven entlang durch müssen, die in die Beine ziehen. Und deswegen projizieren sich diese Beschwerden auch in die Beine.
Christoph Flach: Und das ist auch die typische Gegend, wo die Spinalkanalstenose dann ist, oder kann ich die auch im Hals haben? Kannst du auch am Hals haben. Hab ich trotzdem schwere Beine oder andere Symptome?
Dr. Timmo Koy: Kriegst du andere Probleme? Es ist so, auf Höhe der Halswirbelsäule, da liegt, ist im Wirbelkanal das Rückenmark. Also, wenn man sich aussuchen darf, wo man eine Spinalkanalstenose hat, dann vielleicht doch eher an der Lendenwirbelsäule. Da ist nämlich kein Rückenmark mehr. Das Rückenmark ist kürzer als die Wirbelsäule. Es endet ungefähr auf, wo die Lendenwirbelsäule beginnt. Und an der Lendenwirbelsäule liegen einzelne Nervenfasern im Wirbelkanal, die noch, die kommen auch aus dem Rückenmark, aber die müssen eine gewisse Strecke noch zurücklegen, bis sie an das für sie vorgesehene Nervenaustrittsloch gelangen. Und weil das so ein bisschen aussieht wie ein Pferdeschweif, diese Nervenfasern, die da im Wirbelkanal liegen, nennt man das auch, die Mediziner, ganz Lateiner, nennen das die Cauda equina.
Christoph Flach: Es wird aber nicht leise geweint, wenn man das sagt. Okay, aber ich würde ja nochmal bleiben wollen. Also, wenn das jetzt auf Höhe ist, wo das Rückenmark auch ist, wäre das ungünstiger.
Dr. Timmo Koy: Ja, wenn es aufs Rückenmark drückt, dann könnte ja im aller, aller, allerschlimmsten Fall so eine Art Querschnitt entstehen. Eine Lähmung. Eine Querschnittslähmung. Das heißt, dass auf einem bestimmten Körperniveau alles, was drunter ist, nicht mehr richtig funktioniert. Und das ist jetzt in der Lendenwirbelsäule nicht möglich, eigentlich.
Christoph Flach: Ist es denn so, dass, weil es ja von den schweren Beinen noch häufig dann zu hören ist, tatsächlich diese Spinalkanalstenose am häufigsten auch dort stattfindet. Gibt es da bestimmt Zahlen zu, ne?
Dr. Timmo Koy: Auf welche Höhe das so ist? Ja, also am häufigsten ist sie in der Lendenwirbelsäule. Mit Abstand am häufigsten. Und da ist sie tatsächlich auch gar nicht so selten. Das gehört dann auch dazu. Also es gibt halt Zahlen. Sie zeigen, dass ungefähr 20 Prozent der Menschen, die 60 Jahre alt sind oder älter, eine Spinalkanalstenose haben.
Christoph Flach: Und da kommen wir zum Thema Alter. Ich habe ja eingangs auch schon gesagt, das ist ein langsamer Prozess. Der Körper baut ja langsam diese Bänder, Verstärkungen und Knochen auf. Und lange Zeit merkt man nichts und irgendwann ist dann zu eng und dann ist man älter, vermutlich, weil es Zeit gebraucht hat.
Dr. Timmo Koy: Ganz 100% richtig, so wie du es gesagt hast. Also, das ist ein langsam fortschreitender Prozess und die Nervenfasern im Wirbelkanal verzeihen sehr viel, solange es langsam passiert. Wenn es schnell passiert, dann merkt man es sofort, wenn es langsam passiert, dann kann sich das über Jahre und Jahrzehnte, eigentlich kann man da kaum was von mitbekommen, bis dann irgendwann ein kritischer Durchmesser unterschritten ist vom Wirbelkanal. Und die Symptome beginnen.
Christoph Flach: Und die sind ja beschrieben, also schwere Beine, schmerzende Beine oder die dringende Notwendigkeit, Pausen zu machen. Jetzt kommt jemand mit solchen Symptomen zu dir? Und du wirst eine Untersuchung vornehmen. Wie genau stellst du denn fest, dass das eine Spinalkanalstenose ist?
Dr. Timmo Koy: Ja, dazu muss man wissen, dass ja eine ganz wichtige Differentialdiagnose, sagen wir dazu, also eine ganz wichtige andere Möglichkeit. Man muss was ausschließen, ne? Genau, die gleichen Beschwerden durch eine andere Erkrankung zu bekommen. Jetzt bin ich gespannt. Und das ist die sogenannte arterielle Verschlusskrankheit. Also wenn die Arterien, die ins Bein führen, Arteriosklerose haben, also Kalkablagerungen, und der Durchfluss durch diese Arterien erschwert ist und deswegen nicht genügend sauerstoffreiches Blut an die Muskulatur der Beine gelangt. Dann ist insbesondere bei Belastung, wo die Muskeln Energie benötigen, die Energiezufuhr zu gering und dann melden sich die gleichen Symptome. Müdigkeit, Schweregefühle in den Beinen und regelmäßige Pausen müssen eingelegt werden.
Christoph Flach: Aber dann nicht dein Fachbereich. Dann würdest du an andere Ärztinnen und Ärzte überweisen. Ja, diese Patienten sind woanders viel besser aufgehoben. Okay. Sind wir also der Meinung, es ist eine Spinalkanalstenose? Da guckt man aufs Röntgenbild, aufs CT, aufs MRT. Was macht ihr da?
Dr. Timmo Koy: Ja, also die Idee, dass es eine Spinalkanalstenose sein könnte und eher nicht die arterielle Verschlusskrankheit, kann man auch schon bei der Untersuchung bekommen. Also, auch beim Orthopäden werden die Pulse getastet. So was macht ihr? Das machen wir. Und die müssen kräftig und seitengleich sein. Wenn das der Fall ist, dann ist jetzt die arterielle Verschlusskrankheit schon mal ein Tick unwahrscheinlicher. Dann gibt es einen ganz guten Test. Also, die Spinalkanalstenose entsteht, ja haben wir gesagt, auch durch eine Verdickung eines Bandes, das sich hinten zwischen den Wirbelbögen aufspannt. Und dieses Band verdickt sich und im aufrechten Stand wölbt es sich sogar nach hinten in den Wirbelkanal vor. Und den Menschen mit Spinalkanalstenose hilft es total, wenn sie sich nach vorne neigen.
Christoph Flach: Dann wird es besser. Deswegen gehen viele so gebeugt?
Dr. Timmo Koy: Deswegen gehen viele so gebeugt, richtig. Und dem Patienten mit der Spinalkanalstenose hilft es, den Einkaufswagen im Supermarkt zu schieben. Er schiebt ihn gerne, weil er sich davor so ein bisschen gebeugt abstützen kann. Und Fahrradfahren, wo man ja auch so gebeugt davor sitzt, ist auch für ihn angenehm. Das heißt, der kann zwar nicht richtig laufen, aber er kann sehr lange und beschwerdefrei Fahrrad fahren. Der Patient oder die Patientin mit der Atherosklerose, die können auch kein Fahrrad fahren, weil das ist das gleiche Problem. Da hilft Vorneigen nichts gegen die verminderte Sauerstoffversorgung.
Christoph Flach: Das heißt, du fragst gezielt solche Sachen ab und hast dann, ohne dass du mit den Leuten Fahrradfahren gehen musst, deine
Dr. Timmo Koy: Ich frage sie in der Regel, ob sie beim Fahrradfahren die gleichen Beschwerden haben und entweder sie verneinen das, dann gucke ich eher Richtung Gefäße oder sie bejahen das oder sie fahren schon längere Zeit kein Fahrrad mehr. Dann hilft die Frage nichts.
Christoph Flach: Jetzt haben wir das also soweit klar. Und ich habe ja eingangs gefragt, kriegt man das auch wieder weg? Und du hast gesagt, ja, das ist möglich, dass man die Beschwerden auch wieder los wird. Aber du hast schon gesagt, das ist nichts, was der Körper selber regeln kann, weil er ja eigentlich dazu beiträgt, dass das entsteht. Er will ja was Gutes, haben wir gelernt. Aber das, was er dann anbaut an den Körper, macht eben diese Probleme. Und dann ist er nicht mehr so schlau, dass er das feststellt und wieder abbaut. Zumal er dann wieder ein anderes Problem hätte mit den gleitenden Wirbeln. Du sagst es. Ich glaube, langsam habe ich es verstanden. Das heißt, jetzt kommst du mit den Möglichkeiten der bunten Medizin. Du würdest dir ein Bild von der Situation machen, dann wird aber schon auch mal geröntgt oder CT gemacht oder.
Dr. Timmo Koy: Nein, das CT kommt nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz. Meistens wird ein MRT gemacht, wenn man den Verdacht auf eine Spinalkanalstenose hat.
Christoph Flach: Wegen der besseren Darstellung und wegen der Strahlungsbelastung.
Dr. Timmo Koy: Exakt, also ein CT ist Röntgenstrahlung, ein MRT, da kommen keine Röntgenstrahlungen zum Einsatz. Das ist ein Magnet, in dem man liegt. Und der kann sehr detailgetreu, also die Technik brauche ich glaube ich jetzt nicht zu erklären, kann man sonst auch nachlesen, aber im MRT können sehr detailgetreu Nerven und der Spinalkanal und all das dargestellt werden.
Christoph Flach: Das heißt, du siehst das dann einfach. Da ist es eng.
Dr. Timmo Koy: Da sehe ich das eng, genau. Es ist wie so eine Sanduhr, wo eine Enge, so eine Wirbel.
Christoph Flach: An einer Stelle typischerweise oder an mehreren Wirbeln untereinander.
Dr. Timmo Koy: Das ist oft an einer Stelle und wenn man Pech hat, an mehreren. Das ist immer auf Höhe der Bandscheibe tatsächlich. Also das ist die Stelle, wo es zu eng wird.
Christoph Flach: So, und dann ist klar, es muss operiert werden oder gibt es heilende Hände? Kann man draufhauen? Was macht man? Kann man draufhauen. Ja, wir hatten in der anderen Folge mal so diese etwas brachialeren chiropraktischen Versuche, wobei ich jetzt nichts gegen Chiropraktik sagen möchte, aber es gibt ja einzelne Personen, die mit relativ roher Gewalt an Rücken oder Nacken oder ähnliche Sachen rangehen. Und wir hatten in der Folge schon relativ klar, dass du jetzt nicht unbedingt zu solchen Maßnahmen rätst.
Dr. Timmo Koy: Genau, jetzt sag mir aber doch mal, wo du es jetzt gesagt hast, Christoph, gibt es eine Sache, die besser wird, wenn man draufhaut?
Christoph Flach: Manche technischen Geräte werden sofort besser. Ich komme ja vom Radio. Und ich habe früher immer auf CD-Player draufgehauen, wenn die mal gehangen haben, einmal draufhauen, läuft wieder. Also ich habe da schon gute Erfahrungen gemacht, aber nicht mit Menschen.
Dr. Timmo Koy: Die sind alle auch im Sperrmüll, deine CD-Spieler.
Christoph Flach: Mittlerweile alle, ja, natürlich. Wundert mich nicht. Also, was machst du? Du würdest ja erstmal dem Patienten, der Patientin klar machen, wir müssen daran operieren, nehme ich an. Oder ist das noch gar nicht der nächste Schritt?
Dr. Timmo Koy: Nö, das ist nicht der nächste Schritt. Also, ähm, sag mal so, man muss den Patientinnen und Patienten muss man erklären, was sie haben und wie es dazu gekommen ist, dass sie das Prinzip verstehen. Und dann ist es aber bei Wirbelsäulenbeschwerden seltsamerweise so, und ich kann es auch nicht wirklich genau, dass sie sehr oft einen schwankenden Verlauf haben. Also schlechte Phasen wechseln sich mit guten Phasen ab. Und da muss gar nicht mal sich der bildgebende Befund großartig verändern. Und es kann Sinn machen, eine konservative Behandlung zu machen, um eine gute Phase herzustellen und dann mal entspannt zu gucken, wie lange diese gute Phase anhält.
Christoph Flach: Konservativ hieß in diesem Fall keine Operation, sondern sowas wie Schmerzlinderung oder Symptomlinderung.
Dr. Timmo Koy: Ganz genau. Was macht man da? Üblicherweise ist das bei der Spinalkanalstenose eine eine eine Kombination aus Schmerzmitteln, aus Physiotherapie, insbesondere Kräftigungsübungen, das zugrunde liegende Problem ist eine Instabilität, also können wir durch Muskelaufbau, von Muskelmasse positive Effekte erzielen. Starke Muskeln, Rücken und Bauch haben noch nie geschadet. So ist es, genau. Wichtig ist nur, dass man das in der Balance trainiert. Also es heißt immer so, ein starker Rücken kennt keinen Schmerz. Das stimmt nicht. Ein starker Rumpf kennt keinen Schmerz. Also ich betone immer wieder gerne die Wichtigkeit der geraden, schrägen Bauchmuskulatur, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Aber das kann man machen, das kann man trainieren. Schmerzmittel dann als Tabletten? Nimmt man die ein oder spritzt du oder was ist das jetzt? Das kann man als Tabletten einnehmen. Es gibt auch bestimmte Tabletten, die speziell gegen neuropathische Beschwerden, also Nervenschmerzen, wirken, weil die üblicherweise auf so die klassischen Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol und so weiter nicht so anschlagen. Man kann auch Lokalanästhetika oder Cortison an die Wirbelsäule spritzen.
Christoph Flach: Man kann sie auch in den Wirbelkanal selber spritzen.
Dr. Timmo Koy: Dann unter Röntgen oder. Ja, also im Wirbelkanal, das ist ja eine sogenannte PDA, Periduralanästhesie, das kennt man vielleicht aus dem Kreißsaal. Genau, ja. Und die haben ja da auch logischerweise kein Röntgen. Also keiner würde ja das ungeborene Baby röntgen. Also es ist Erfahrungssache, du weißt, wo du da hin musst. Da gibt es eine Technik, eine sogenannte Druckverlusttechnik. Dann geht man mit der Nadel, so machen das die Anästhesisten im Kreißsaal ja auch, bei der sitzenden Patientin oder beim sitzenden Patienten. Vorbeugen.
Christoph Flach: Das ist nicht die kleine Nadel, aber man muss sie ja nicht angucken.
Dr. Timmo Koy: So genau. Man kann ja als Patient muss man nicht hingucken. Aber man spürt, wenn man mit der Nadelspitze durch das Gewebe durch ist, im Wirbelkanal hat man so eine Art, da setzt man eine Spritze mit Kochsalzlösung hinten auf der Nadel drauf und drückt da ein bisschen auf den Stempel dieser Spritze. Und wenn man mit der Nadelspitze im Wirbelkanal ist, dann gibt es einen Druckverlust. Dann lässt der Widerstand nach. Und dann weiß man, dass man gerade eben mit der Nadelspitze im Wirbelkanal ist und da genau da muss man.
Christoph Flach: Und dann tauscht ihr die Kanüle aus, also Kochsalz weg, Substanz rein.
Dr. Timmo Koy: Dann wird erstmal nochmal aspiriert, ob man liegt.
Christoph Flach: geholt, dass.
Dr. Timmo Koy: Ne, aspiriert bedeutet, man nimmt die Spritze, die da drauf ist und drückt nicht rein, sondern versucht rauszuziehen. Und das sollte nicht gelingen. Also okay. Man darf nichts, das muss dann, das geht da nicht. Und dann ist man richtig. Und dann setzt man, nimmt man die Spritze ab und setzt die Spritze mit dem Medikament, meistens Lokalanästhetika und Cortison, auf und spritzt die in den Wirbelkanal.
Christoph Flach: Ja, stelle ich mir spannend vor, ist Erfahrungssache. Erinnerst du dich an dein erstes Mal, wo du so eine Spritze gesetzt hast?
Dr. Timmo Koy: Ja, das war mit zittrigen Fingern. Ja, das glaube ich. Das war wie alles, was man zum ersten Mal macht und vor allem, was man zum ersten Mal am Menschen macht, das ist eine aufregende Sache. Mein erstes Mal Blut abnehmen war auch viel Schweiß vergossen.
Christoph Flach: Und irgendwann hat man es tausendmal gemacht. Irgendwann weiß man genau.
Dr. Timmo Koy: Es gibt schon irgendwann mal.
Christoph Flach: So, das heißt. Wir haben jetzt diese konservative Behandlung, die Schmerzen lindert, die auch über Physiotherapie helfen kann, Muskeln aufzubauen. Und wenn es eine gute Phase ist, kann man die verlängern. Das habe ich verstanden. Und es könnte sein, dass ich als Patient oder als Patientin damit auch einige Zeit gut lebe, trotz Spinalkanalstenose.
Dr. Timmo Koy: Ja, also es gibt ja auch, also es ist die Erkrankung des älteren Menschen und es gibt ja unglücklicherweise, sind ja nicht alle älteren Menschen auch kerngesund. Und für viele stellt ja auch eine Narkose ein Risiko dar. Und das ist dann immer eine Abwägungssache. Macht man das oder lässt man es lieber bleiben mit der Narkose? Und da kann natürlich so eine konservative Behandlung, auch wenn sie erwartbar wiederholt werden muss, nach welchem Zeitabschnitt auch immer, eine Möglichkeit sein, gut über die Runden zu kommen.
Christoph Flach: Jetzt gibt es aber Gründe, dann doch zu operieren, weil vielleicht die gute Phase nicht lang genug war, weil vielleicht die Stenose so fortgeschritten ist, dass du sagst, eiiei. Oder was könnten noch Gründe sein?
Dr. Timmo Koy: Also es gibt eine ganze Anzahl von Gründen, neurologische Ausfallserscheinungen, Lähmungen. Kribbeln, Lähmen, Kribbeln ist für mich noch keine Operationsindikation, aber Lähmungen. Also Kraftverlust in den Beinen. Aber meistens, muss ich ehrlich sagen, meistens ist es der Leidensdruck der Patientinnen und des Patienten. Das kostet Lebensqualität, wenn man nicht weiter als 50 Meter laufen kann, ohne dann wieder eine Pause zu benötigen.
Christoph Flach: Jetzt geht's also auf eine Operation zu. Ihr habt euch da abgestimmt, du bist einverstanden und Patientin-Patient ist in Narkose, davon gehen wir aus. Liegt jetzt auf deinem OP-Tisch. Ich nehme mal an, Gesicht nach unten, Rücken nach oben. Ganz genau, ja. Und dann geht die Operation los, wie darf man sich das vorstellen? Also, ihr werdet ja seitlich der Wirbelsäule irgendwo einen Schnitt machen müssen?
Dr. Timmo Koy: Nee, der Schnitt wird hinten gemacht. Also über den Dornfortsätzen wird das so.
Christoph Flach: Tatsächlich darüber, anders als beim Bandscheibenvorfall.
Dr. Timmo Koy: Ja, auch beim Bandscheibenvorfall wird es so gemacht. Also der Schnitt erfolgt von hinten. Aber seitlich von diesen Dornfortsätzen. Man muss sich eine Seite aussuchen, also ob man nur links oder rechts von diesen Dornfortsätzen. Direkt daneben sozusagen. Aber der Schnitt ist hinten. Und ähm also die häufigste Operation, die durchgeführt wird, ist die sogenannte mikrochirurgische Spinalkanaldekompression, bei der man den Nerven einfach von hinten Platz macht. Also es ist zu eng und man macht ihnen Platz. Und das muss mit sehr viel Augenmaß passieren, weil, wie du schon richtig gesagt hast, der Körper hat das ja eng gemacht aus einem bestimmten Grund. Und alles wieder zunichte zu machen, was er da geschaffen hat, ist auch keine gute Idee.
Christoph Flach: Weil dann das Originalproblem wieder auftaucht.
Dr. Timmo Koy: Die Instabilität, genau. Und da gibt es aber mittlerweile Techniken, wie man über einen einseitigen Zugang den gesamten Wirbelkanal erweitern kann. Also auch auf der anderen Seite, also wenn man von links in den Wirbelkanal eingeht, auch den rechten Anteil des Wirbelkanals erweitern kann. Und mit diesen gewebesparenden Techniken ist es möglich, so eine Operation durchzuführen und das, was der Körper da gebraucht hat, zu entfernen, zumindest zum Großteil zu entfernen, ohne dass, ursprüngliche Probleme wieder hochzuholen.
Christoph Flach: Und das macht man schichtweise oder vorsichtig und langsam, vermute ich. Und würdest du dann eher an einem Band diese Verstärkung des Bandes lösen oder eher das Knöcherne, was sich gebildet hat, wieder abbauen oder beides?
Dr. Timmo Koy: Es muss alles weg, was auf den Nerv drückt. Also, das ist das. Und das siehst du dann. Ja, das kann man, also die Operation erfolgt so: man hat am Ende des Tages sieht man durchs Mikroskop die zwei benachbarten Wirbelbögen von hinten und das Band, was sich dazwischen aufspannt. Und dieses Band wird zum Beispiel entfernt. Das ist ja Teil des Problems. Und dann wird auch, und dann kann ich in den Wirbelkanal hineinschauen und sehe die Nerven oder ob da noch was anderes drauf drückt. Meistens ja so knöcherne Erker, die der Körper dahin gebaut hat.
Christoph Flach: Die man auch schon in den bildgebenden Verfahren sehen konnte, oder ist das dann neu für dich, wenn du das aufmachst?
Dr. Timmo Koy: Sag mal so, natürlich konnte ich die in den Verfahren, in dem bildgebenden Verfahren vorher sehen, aber wenn man dann vor Ort ist, dann geht es nichts über den persönlichen Eindruck, sag ich mal so, jetzt muss ich das. Es ist dreidimensional, ne?
Christoph Flach: Das lässt sich auch mit tollen Modellen nicht so original darstellen, wie du das nachher siehst. Genau.
Dr. Timmo Koy: Was toll an diesen einseitigen Operationstechniken ist, dass du halt dann die Gegenseite von innen nach außen erweiterst und da musst du dann tatsächlich nur so viel wegnehmen, wie nötig, um den Nervenplatz zu machen.
Christoph Flach: Das heißt, idealerweise hat der Körper nachher keinen Grund mehr weiter anzubauen, weil es geht nicht in die Instabilität. Und trotzdem ist das, was gestört hat, weg, sodass die Nervenleiden zurückgehen. Ganz genau. Und dann macht ihr alles schön wieder zu und verschwindet. Machen wir in der Regel. Und wie ist das denn nach so einer Operation? Ist das denn tatsächlich sofort besser? Müsst ihr ja eigentlich, wenn der Druck weg ist von den Nerven. Also klar, man hat einen Operationsschmerz vermutlich nach der OP. Man muss ein bisschen beobachtet werden. Ich denke, man wird noch eine Zeit in euren Händen bleiben. Aber wie ist das denn mit den Symptomen? Sind die denn wie weggeblasen anschließend?
Dr. Timmo Koy: Das ist das Ziel und das ist auch in der Regel so. Die Beschwerden sind tatsächlich sofort weg, sobald der Druck vom Nerven genommen ist. Und man muss auch sagen, der Operationsschmerz ist relativ gering, was auch nur ein relativ kleiner Schnitt ist. Und vorher war ja auch viel Leidensdruck durch das Problem. So, genau. Sonst lägen die Patienten ja nicht auf dem Operationstisch. Also das ist schon, auch das ist wieder das, das, was macht auch die Freude am Beruf aus, ist man kreiert tatsächlich dankbare Patienten mit relativ wenig Aufwand. Also es ist schön, oder? Sehr schön.
Christoph Flach: Und die siehst du dann nie wieder oder kann das sein, dass jetzt nicht nur diese jährlich Dankbarkeitsblumen schicken, sondern dass sie möglicherweise das Problem doch dann wiederbekommen?
Dr. Timmo Koy: Also, wenn wir alles zum Zeitpunkt der Operation richtig eingeschätzt haben, dann haben wir durch die Operation keine Instabilität verursacht und dann ist das eigentlich erstmal eine auf lange Zeit angelegte Lösung. Man darf eines nicht vergessen, die Wirbelsäule altert weiter. Also, ne, auch dieses Segment bewegt sich. Also, das ist ja eine bewegungserhaltende Behandlung. Wir haben nur Platz gemacht, weil die Bandscheibe nach wie vor belastet und bewegt sich. Und ähm es mag vielleicht jetzt nicht wieder der enge Spinalkanal auftreten, aber es können andere Probleme in diesem operierten Segment auftreten. Es können vor allem auch Probleme in allen benachbarten Segmenten auftreten, einfach durch den Lauf der Zeit. Das heißt, wenn man jetzt nach einer Bandscheibe oder nach einer Spinalkanaldekompression dann eine Statistik liest, dass 20 Prozent der Patienten nach wie vor unter Rückenschmerzen leiden. Dann muss das ja nicht unbedingt aus dem operierten Segment herrühren, sondern da sind noch 23 andere Kandidaten, die dafür zuständig sein könnten. Und wir können aber natürlich keine Wirbelsäule austauschen, sondern wir operieren das, was nötig ist. So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Das ist immer das. Das ist nämlich das Credo bei der.
Christoph Flach: Verbesserten Chirurgie. Sehr spannend. Wir dürfen nicht vergessen, dass natürlich die üblichen Operationsrisiken bleiben. Also, das ist ja immer der Fall. Ihr macht ja Aufklärungsgespräche, man unterschreibt ganz viel. Das müssen wir, glaube ich, nicht alles ausführen, was an Risiken besteht. Oder gibt es ein besonderes Risiko, wo du sagst, ja, das könnte gut sein bei dieser Operation? Eine Nervenbeschädigung oder sowas?
Dr. Timmo Koy: Also ich, die Risiken sind zahlreich, aber selten. Und ähm also, wenn man sich zu so einer Operation dazu entschlossen hat, dann wird man in einem, hoffentlich sehr ausführlichen Aufklärungsgespräch, weil das ist ja ein wichtiger Teil der Beschlussfassung. Also man am Ende des Tages muss man sich, gibt man einen ungeheuren Vertrauensvorschuss. Man gibt sich in die Hände von diesem Arzt und hofft darauf, dass der an einem sehr neuralgischen Punkt des Körpers einen guten Tag erwischt hat, sagen wir mal so. Und das heißt, diesem Vertrauensvorschuss muss man gerecht werden. Das heißt, der Patient muss seine Entscheidung zur Operation bestmöglich informiert und aufgeklärt auch treffen. Und das heißt, wir erklären ihm auch, was theoretisch schief gehen könnte, das muss er wissen. Und was kann schief gehen? Man kann zum Beispiel, wir operieren ja, das hat diese Erkrankung nun mal, das ist nur ein Teil des Problems und man operiert in der Nähe von Nerven. Also kann man auch Nerven verletzen. Und das könnte Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Schmerzen hervorrufen, die es vorher noch nicht gegeben hat. Also man kann auch Sachen verschlechtern durch eine Operation. Die Frage ist dann immer nur, wie häufig ist das? Und man muss auch, davon darf man nicht verschweigen, was kann man denn gewinnen durch die Operation? Das entscheiden, die Leute haben ja gute Gründe zu kommen. Und solange da die Waage ausfällt, dass die Vorteile deutlich überwiegen gegenüber den möglichen Nachteilen, solange ist es wahrscheinlich eine gute Entscheidung, sich operieren zu lassen.
Christoph Flach: Fehlt noch was Wichtiges?
Dr. Timmo Koy: Ach, also über das Thema kann man sehr viel zusätzliche Informationen noch preisgeben. Es gibt natürlich Patienten, vielleicht das noch kurz am Rande, was zum operativen, zum diagnostischen Roundup, wie ich immer so schön sage, dazugehört, ist nicht nur das MRT, weil das ist ja eine Aufnahme, die wird im Liegen gemacht, wo du den engen Spinalkanal siehst. Und dann braucht man in der Regel noch ein Röntgenbild im Stand und dabei macht man, man neigt sich nach vorne und bekommt ein Röntgenbild und einmal nach hinten und macht ein Röntgenbild, um zu gucken, wie erfolgreich war der Körper eigentlich dabei, diese Instabilität zu beseitigen. Und wenn man in dem Röntgenbild sieht, dass diese beiden Wirbel sich gegeneinander verschieben, je nachdem, ob man sie nach vorne oder nach hinten bewegt, dann ist es wahrscheinlich keine gute Idee, hinten noch mehr Knochen und Bänder wegzunehmen, ohne etwas Weiteres für die Stabilität des Segmentes zu tun.
Christoph Flach: Das heißt, ihr könnt dann möglicherweise zu dem Schluss kommen, dass die Operation noch erweitert wird. Ganz genau. Wenn man zum Beispiel, was macht man, die versteifen dann? Genau.
Dr. Timmo Koy: Es ist immer Ursache-Wirkungs-Prinzip. Wenn Nerven gedrückt werden, dann muss man ihnen Platz schaffen und wenn ein Segment nicht genügend Stabilität hat, dann muss man für Stabilität sorgen. Und da kommen Schrauben-Stab-Systeme zum Einsatz, die man da von hinten in die Wirbelsäule einbringt. Aber die würden ja nicht ewig halten. Also das ist ja immer, wenn du sehr Starres und etwas Bewegliches hineinschraubst und das bewegt sich dann aber weiter, dann ist es eine Frage von Belastungszyklen, bis das irgendwann auslockert, dieses starre Konstrukt. Und dann wären die Probleme ja wieder da. Also muss man dafür sorgen, dass das Segment verknöchert. Das kriegt man dann in der Regel dadurch hin, dass man Knochen in das, dass man die Bandscheibe entfernt und Knochen in das Bandscheibenfach einbringt, wo dann Knochen von einem Ende des Wirbels zum anderen wachsen kann. Das ist Knochen, den ihr woanders entnommen habt. Den wir bei der Operation entnommen haben. Weil wir müssen ja auch Knochen entfernen, um den Nerven Platz zu machen. Das ist körpereigener Knochen.
Christoph Flach: Wird also umgebaut sozusagen dann.
Dr. Timmo Koy: Der wird dahin verpflanzt und weil es dann der eigene Knochen ist, gibt es keine Fremdkörperreaktionen oder Abwehrreaktionen. Oder Abstoßungsreaktionen und das klappt eigentlich sehr gut. Aber das ist jetzt nicht Alltag, dass das nötig ist. Nein, der Alltag oder das häufigste Verfahren bei der Spinalkanalstenose ist die mikrochirurgische Dekompression.
Christoph Flach: Die wir gerade besprochen haben. Vielen Dank, Timmo, sehr spannend. Und wie immer, am Ende einer Folge gibt es jetzt noch einen Tipp für die Rückenprävention, sagt ihr. Also, was kann man tun, um vorzubeugen? Allgemein dem Rückenschmerz, denn wir wissen ja, der Spinalkanalstenose kann man so nicht vorbeugen. Außer vielleicht, dass man sich kräftigt. Das ist ja generell eine gute Idee. Was hast du uns mitgebracht?
Dr. Timmo Koy: Ja, also es geht wieder darum, die Rumpfstabilität zu erhöhen und eine Übung, die dafür gut geeignet ist, ist die sogenannte Plank.
Christoph Flach: Eieiei. Das gibt es auch auf Social Media mit Menschen, die das so als Demonstration ihrer Fitness zeigen. Und es gab auch mal eine virale Aktion, wo Leute bei irgendwelchen Gelegenheiten im Alltag plötzlich einen Plank gemacht haben. Man ist ein Brett, richtig?
Dr. Timmo Koy: Man ist ein Brett, man stützt sich auf seinen Unterarm ab und äh hält den Körper möglichst gerade. Man steht auf seinen Zehenspitzen und stützt sich auf seinen Unterarmen ab. Also man ist in einer waagerechten, annähernd waagerechten Position und hält einfach nur. Also das ist das Schöne daran, es ist eine Übung, die kommt ohne axiale Belastung aus, es ist eine Haltearbeit. Nichts drauf. Nichts, vor allem wird gar nichts bewegt dabei.
Christoph Flach: Wie viele Stunden empfiehlt mein Orthopäde meines Vertrauens mir da in der Plank?
Dr. Timmo Koy: Ja, Stunden ist schon mal die falsche. Also ich glaube, der Weltrekord liegt irgendwo im Bereich von sieben Stunden. Da muss man auch nicht hin. Ich würde auch hier mit 45 Sekunden Belastung und 15 Sekunden Pause anfangen. Später darf man gerne so lange halten, wie man das schafft, aber das wäre so die Sache. Es gibt ein Problem bei der Übung, die Übung ist toll, auch bei Spinalkanalstenose, wenn sie wehtut, das könnte im Grunde genommen, das ist unwahrscheinlich, weil ja die axiale Belastung fehlt, aber wenn man den Rücken durchstreckt, dann könnte es trotzdem zu Symptomen der Spinalkanalstenose kommen, dann bitte diese Übung abbrechen. Dann muss man sich eine andere Übung aussuchen. Da gibt es genügend von. Wir können ja eigentlich auch mal eine Folge nur zum Thema Physiotherapie bei Rückenbeschwerden machen. Ja, sehr gerne. Können wir gerne, das fällt mir gerade so ein. Aber ich würde es auf jeden Fall mal ausprobieren mit der Plank.
Christoph Flach: Das ist eine tolle Übung. Da haben wir den Tipp für heute bekommen. Danke, Timmo. Danke euch. Danke. Danke dir. Später. Danke euch fürs Zuhören und Dabeisein. Wir haben viele weitere Folgen. Schaut mal, dass ihr reinhört. Und ja, bis zum nächsten Mal. Bis dahin. Tschüss. Tschüss. Tatort Wirbelsäule. Dieser Podcast ist zur Information und Unterhaltung gedacht. Er ersetzt nicht den Besuch bei der Ärztin oder beim Arzt. Wir wünschen gute Besserung.
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